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Schon wieder ein Wochenende

 

Verlängerte freie Wochenenden sollten eigentlich für alle zur Pflicht werden. Ein Tag mehr frei, und schon sieht die ganze Welt anders – ruhiger - aus. Stefan und ich zogen vom Freitag bis Sonntag los, um diese ruhige Welt zu suchen und fanden sie im Appenzellerland. Auch dies war noch eine „Nachwehe“ meines runden Geburtstages, denn ich hatte von meinem Bruder und Familie eine Übernachtung im Berggasthaus Bollenwees geschenkt bekommen.

Um zu diesem Bollenwees zu kommen, muss jeder Gast die Wanderschuhe schnüren, denn Autos sind dort nicht willkommen. Für mich war dies der Grund, genau diesen Ort für die Übernachtung auszuwählen, das Geschenk war für die ganze Schweiz bestimmt.

Am Freitag schliefen Stefan und ich also zuerst gemütlich aus und machten uns dann frohen Mutes auf die etwas längere Autofahrt nach Appenzell. Vor Zürich wurde dieser frohe Mut dann gestoppt, wir standen im Stau. Es ging weder nach Osten noch nach Süden noch durch die Stadt vorwärts, so dass unsere Geduld ganz leicht auf die Probe gestellt wurde. Schlussendlich schlichen wir uns durch Zürich zurück auf die Autobahn nach Chur und bogen in Pfäffikon Richtung Rapperswil ab. Danach ging es über Land via Wattwil, Liechtensteig, Waldstatt, Appenzell nach Wasserauen. Beim Parkplatz, der halt schon ziemlich voll war (wir hatten etwas zu lange beim Fahren), zogen wir die Wanderschuhe an und schnallten uns den Rucksack um, und dann ging es „per pedes“ ziemlich steil den Hoger hinauf Richtung Meglisalp. Da ich im Sommer ja die Wanderung zum „Huayana Picchu“ überlebt hatte, war diese Tour unter- und oberhalb von beeindruckenden Felswänden ein Klacks für mich, ich stürzte (bald wird es zur Gewohnheit) wieder einmal nicht ab. 

Kurz vor der Meglisalp lasen wir im Internet noch, dass Florian einen super Sprint am Euromeeting in Estland hingelegt hatte und entschieden uns, etwas mehr für unsere eigene Kondition zu tun. Wir bogen vom gemütlichen Wanderweg ab und kraxelten eine Böschung hinauf, auf einen anderen Weg zu. Dieser war dann noch etwas steiler, aber was tut man nicht alles für diese Kondition. Dafür sahen wir Gämsen, und das hätten wir nicht, wären wir unten geblieben.

Wir stiegen bis zum Widderalpsattel hoch und danach hinunter bis oberhalb der „Chalberweid“. Dort ging es noch einmal ein kurzes Stück hinauf und schon standen wir vor dem Bollenwees. Wer es nicht weiss, würde nie vermuten, dass dort hinten im Tal ein wunderschöner See und ein ziemlich gediegenes Gasthaus liegen.  

Mit uns hatten noch ganz viele andere Leute die Idee, im Bollenwees zu nächtigen, was vielleicht der einzige Wermutstropfen an der ganzen Geschichte war. Wir schliefen dennoch gut und standen am Samstag früh genug auf, um der ganz grossen Meute beim Morgenessen zu entgehen. Schon um acht Uhr wanderten wir wieder los.

Den ersten Teil bis zur „Chalberweid“ kannten wir vom Freitag her. Von dort aus ging es direttissima der „Dreifaltigkeit“ entlang zur „Bogartenlücke“. Das waren rasch 400 Meter Aufstieg in knapp vierzig Minuten. Ich mag das einfach! 

Von der Bogartenlücke aus konnten wir bereits hinunter zum Parkplatz sehen, auf den Abstieg freuten wir uns jedoch nicht so sehr. Dafür war die Aussicht auf den Säntis endlich frei und auch sonst hatten wir ein paar herrliche Rundum-Blicke.

 

Das Appenzellerland ist wirklich schön, auch wenn wir uns vorwiegend in Innerrhoden aufhielten (Anmerkung: ich bin eine Ausserrhödlerin). Nach zweieinhalb Stunden waren wir bereits im Tal unten und hatten den ersten Teil des Wochenendes beendet. 

Es ging weiter. In Waldstatt besuchten wir kurz die Cousine meines Vaters. Ines ist mittlerweile 90 Jahre alt, aber geistig enorm fit, Besuche bei ihr sind für mich jeweils eine grosse Bereicherung.  

Nach diesem Besuch fuhren wir nach Chur und setzten uns unverzüglich ans Internet. Wir „schauten“ uns das Langdistanzrennen des Euromeetings in Estland an. Florian kämpfte sich dort durch Dickichte und über (zu) weiche Böden. Als die Resultate feststanden, fuhren wir weiter nach Tischinas. Am Abend gab es in Ilanz ein feines Nachtessen. Selbstverständlich ging es zu Fuss die paar Meter hinunter und später im Dunkeln wieder hinauf (240 Höhenmeter auf etwa 1.5 km, Klacks, Klacks).  

Am Sonntag, den wir gemütlich angingen, machten wir einen Abstecher auf den Lukmanier. Zusammen mit Bruder Marcel und Neffe Paul nahmen wir an einem OL der Tessiner Teil. In Acquacalda war Besammlungsort, nicht weit davon entfernt unser Start. Der OL war, wie fast immer im Tessin, ein Leckerbissen. Mir flogen die Posten nur so zu und ich kam gut durch meine Bahn. So dürfte es von mir aus immer sein. Die Sonne schien dabei, so dass wir Läufer arg ins Schwitzen kamen. Übrigens ist diese Gegend auch zum Wandern ein absoluter Geheimtipp, nur so nebenbei. 

Da wir noch eine weite Heimfahrt vor uns hatten, blieben wir leider nach dem Wettkampf nicht allzu lange auf dem Lukmanier und machten uns auf den Rückweg. Via Oberalp, Schöllenen ging es rassiger heimwärts als am Freitag in die Gegenrichtung. Auch wenn wir am Abend ziemlich müde waren, so waren wir mit dem Wochenende sehr zufrieden. Wie am Anfang geschrieben, für mich könnte es immer so sein! Da wir am nächsten Weekend in Arosa herum rennen, dauert es gottlob nicht allzu lange. Einfach der Freitag fehlt dann.