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Pause

Eigentlich hätte ich von unseren wirklich tollen Norwegenferien gerne eine Fortsetzung geschrieben, hätte erzählt, was für fantastische Wanderungen wir in der Herbstlandschaft unternahmen, hätte von OL-Trainings und Begegnungen mit den Menschen dort erzählt, nun schreibe ich nur: hätte, wäre, wenn, ich kann nicht erzählen. Die sorgen- und vor allem coronafreien Tage nahmen am Mittwoch der zweiten Woche ein abruptes Ende, als ich erfahren musste, dass mein Vater daheim in der Schweiz an Corona erkrankt war und im Sterben lag.

Für mich war das ein riesiger Schock, denn in den Jahren nach dem Tod meiner Mutter hatten wir zwei es richtig schön miteinander, ich fuhr jede zweite Woche zum Vater nach Chur, unsere Gespräche waren für mich sehr wertvoll. Nun sollte dieser immer gesunde, immer positiv denkende, liebenswerte und so humorvolle Mensch sterben?

Stefan und ich taten das Einzige, wozu ich mich in dieser Situation fähig fühlte: wir fuhren sofort zurück in die Schweiz, nach Chur. Zum Glück war mein Vater bei meiner Ankunft noch ansprechbar, irgendwie sogar fröhlich und glücklich, mich sehen zu dürfen. Danach folgten vier emotionale Tage an seinem Bett in der Pandemiestation. Ich durfte jederzeit bei ihm sein, wofür ich den Verantwortlichen einfach nur dankbar bin. Natürlich musste ich alle Sicherheitsvorschriften einhalten, wurde mit Masken, Handschuhen und Schutzkleidern eingedeckt, aber ich durfte meinen Vater auf seinem letzten Lebensweg begleiten. Am 2. November starb er dann und hinterlässt eine riesige Lücke. Ich glaube, auch für Eltern erwachsener Kinder gibt es keinen «richtigen» Zeitpunkt zu sterben. Es fühlt sich für mich komplett «falsch» an.

Im Moment bin ich noch daran, alles irgendwie zu erfassen, die Leere auszuhalten. Ich denke, ich werde bis Ende Jahr keine Einträge auf dieser Seite zustande bringen und hoffe einfach, dass das 2021 uns allen wieder mehr Freude schenken wird. Dann gibt es auch wieder Texte von mir – versprochen!