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Leuchttürme und Begegnungen

Die Woche in Stryn neigt sich auch schon bald dem Ende entgegen. Morgen geht es nach Sjøholt bei Ålesund weiter, unser letztes skandinavisches Ziel unserer Reise. Noch haben wir hier also tolle Tage vor uns, und diese wollen wir ausgiebig geniessen. Auch die letzten Tage taten wir übrigens nichts anderes. Wobei ich feststelle, dass das, was Stefan und ich unter Genuss verstehen, nicht unbedingt mit dem überein stimmt, was andere darüber denken. Ruht ihr euch auch genug aus? Bin ich gefragt worden. Ja, das tun wir, einfach nicht mit ruhen. Das können wir, wenn wir dann so richtig alt sind.

Diese Woche machten wir zum Beispiel Ausflüge mit Wanderungen und gingen (endlich) wieder wettkampfmässig auf Postenjagd. Der Ausflug führte uns bis an die Westküste, immer schön den Fjorden entlang.

Stefan und ich hatten im Sinn, die Insel Vagsøy zu besuchen und dort einen der vielen Leuchttürme zu besichtigen. Wir einigten uns schon im Voraus darauf, dass es „Skongsnes fyr“ sein sollte, da man bis dahin noch eine gute Stunde wandern musste. Das Wetter meinte es sehr gut mit uns, je weiter wir dem Meer entgegen fuhren, desto blauer wurde der Himmel.

Ich holte mir bei der Wanderung meinen ersten Sonnenbrand. Dass sich unsere Wahl als ausgezeichnet erwies, merkten wir bereits nach wenigen Schritten. Wir liefen auf einem malerischen, sich auf und ab schlängelnden Wanderweg und hatten fantastische Ausblicke aufs Meer und umliegende Inseln.

Beim Leuchtturm trafen wir auf ein norwegisches Ehepaar und waren bald einmal in ein Gespräch verwickelt. Es stellte sich heraus, dass die beiden OL-Läufer waren, an allen Wettkämpfen wie wir auch teilgenommen hatten und wir viele gemeinsame Bekannte haben. Sie kennen die Schweiz und auch Leute von dort, die auch wir gut kennen. Die Welt ist wirklich klein. Die beiden hatten übrigens für ein paar Tage eines der kleinen Häuser beim Leuchtturm in Beschlag genommen.

Sie gehören dem DNT-Verein an, und besitzen einen Passpartout-Schlüssel, der zu allen Hütten dieses „Vereins“ (eine Art norwegischer Touristenverein) passt. Ab und zu sind die Hütten bedient, meistens nimmt man selber das Essen mit. Anmelden muss man sich nicht für die Übernachtungen, wenn mehrere Leute zusammen in einer Hütte sind, rückt man einfach etwas enger zusammen. Die zwei erklärten uns, dass sie praktisch nur noch auf diese Art und Weise ihre Ferien verbringen.

Nach einer Weile verabschiedeten wir uns von neu gewonnenen Freunden und wanderten wieder zurück. Wir wollten noch weiter zur Halbinsel Selje und dort zum Aussichtspunkt beim Vestkapp. Nur schon die Fahrt dahin der Küste entlang war ein Genuss. Je näher wir allerdings diesem Vestkapp kamen, desto mehr zog Nebel auf. Als wir oben waren, war die Sicht praktisch null. Schade, denn von dort aus hätte man sicher noch einmal herrlich aufs Meer blicken können. Das einzige, was wir im Nebel erblickten, waren Schafe, die uns neugierig begrüssten. War auch schön.

Wenige Kilometer von dem Aussichtspunkt entfernt gibt es einen unter Surfern bekannten Strand bei Ervik. Auch dieser wurde von uns besucht, und wir noch einmal tüchtig von der Sonne geblendet.

Wir bereuten es ziemlich, unser Badezeug nicht mitgenommen zu haben. So machten wir nur einen kurzen Spaziergang dem Strand entlang und schauten sehnsüchtig den anderen Badenden zu.

Es war schon spät am Abend, als wir wieder daheim waren, was uns jedoch nicht daran hinderte, unsere Lieblingsmahlzeit, gebratenen Lachs zu essen. So geht das!

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir dann wieder mit Rennen und Schwitzen. Suchen schreibe ich diesmal extra nicht auf, denn sowohl Stefan als auch ich hatten bei beiden Wettkämpfen gute, fehlerarme Läufe. Am Mittwoch war eine Mitteldistanz, bei welcher allerdings die Laufbarkeit etwas eingeschränkt war. Es hatte viele Dickichte, der Boden war steinig, man musste aufpassen, wohin man die Füsse setzte.

Am zweiten Tag herrschten definitiv sehr nasse Sümpfe vor, aber das Gelände war nun sehr gut belaufbar und man konnte weit sehen. Diesmal war eine Langdistanz angesagt, was vor allem Stefan merkte. Er war lange unterwegs, aber einfach nur, weil er auch eine lange Bahn hatte. Der Fjord-OL, welcher sich über insgesamt vier Tage erstreckt, entpuppte sich als klein, aber fein. Die ganze Organisation war sehr sympathisch, und auch hier lernten wir mühelos andere OL-Läufer kennen. Auch das Ehepaar vom Leuchtturm war wieder dabei, so dass vor allem ich in den Genuss kam, ganz viel norwegisch zu sprechen.

Nach dem zweiten Lauf gingen wir endlich ein wenig in Stryn flanieren. Im Tourismusbüro erlebten wir eine grössere Überraschung, als wir feststellen mussten, dass die nette Dame dort kein Wort norwegisch sprach. Spanisch, englisch und Französisch konnte sie, aber norwegisch war ihr komplett fremd. Sie erklärte uns, dass sie dies bei ihrer Arbeit nicht brauche, da es meistens Ausländer wären, welche die Touristeninformation aufsuchten, und da spräche man eher englisch oder spanisch. Na ja.

Meine neuste Errungenschaft ist dafür ein Troll auf Ski, welcher meine Sammlung daheim bestens ergänzen wird.

Heute wollen wir noch zu einem Gletscher fahren und ein paar Blicke aufs Eis erhaschen. Morgen ist dann wieder der OL dran und vor allem der Umzug nach Sjøholt. Doch davon später.