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Im Dreiländereck: Slowenien – Italien - Österreich

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Von Norwegen trennen uns bereits wieder viel zu viele Kilometer und schon recht viele Tage. Seit Dienstag sind wir in Ratece, einem hübschen, kleinen slowenischen Dorf, unweit der Grenze zu Italien und Österreich. Wie schon bei meinem ersten Besuch in diesem Land, haben mich bereits wieder Land und Leute verzaubert. Mir gefällt es hier.

Bis wir in Ratece angekommen sind, hatten wir eine lange, fast schon abenteuerliche Reise zu überstehen. Am Samstag fuhren wir kurz vor zehn Uhr von unserem Haus in Sjøholt ab und tuckerten gemütlich dem Süden entgegen.

Unser Weg führte uns noch einmal durch Åndalsnes, allerdings bogen wir nun nicht zum Trollstigen ab sondern fuhren weiter nach Dombås. Dort fuhren wir auf die E6, welche uns schlussendlich bis Helsingborg begleitete. Durch Norwegen ging die Reise recht langsam, trotz guter Strasse hatten wir langsame Autos vor uns, welche wohl der Meinung waren, die Maximalgeschwindigkeit wäre immer bei 60 km/h. Nun ja, irgendwann liessen wir Lillehammer hinter uns, dann Oslo und noch ein wenig später ganz Norwegen. In Schweden machten wir die letzten, absolut notwendigen Einkäufe, um daheim noch ein wenig das Ferienfeeling aufrechterhalten zu können (Godis, Blåbærsuppe und so). Es war schon später Abend, als wir nach Dänemark über schifften. Durch Dänemark hindurch war der Himmel bereits dunkel, man merkte deutlich, dass Mittsommer schon eine Weile her war. Ungefähr um zwei Uhr am nächsten Morgen waren wir dann in Deutschland. Wir hatten, anders als sonst, einen Stopp in der Nähe von Erfurt, genauer gesagt in Stedten geplant. Stefan hat dort Freunde, bei denen wir übernachten konnten. Wir kamen rechtzeitig aufs Frühstück hin und wurden sehr nett von Jenny und Andreas bewirtet. Damit wir vor Müdigkeit nicht umfielen, entschlossen wir uns, einen kurzen Spaziergang zu machen. Dieser führte uns zur Burg Kranichfeld.

Einmal mehr staunte ich, wie die Architekten des Mittelalters ohne die Möglichkeiten von heute, diese Burgen bauten. Ich war schlicht begeistert, auch wenn ein grosser Teil der Anlage nach einem Brand in den Dreissigerjahren zerstört wurde.

Freiwillige bauten in wohl unzähligen Stunden einen Teil der Burg wieder auf, und dieser ist einfach eine Wucht. Die Geschichte rundherum ist nicht immer so toll, denn während des 2. Weltkrieges wollte Heinrich Himmler die Burg zu einer SS-Kultstätte und Führerschule ausbauen. Häftlinge aus dem nahen KZ Buchenwald leisteten unter schwersten, unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeiten, mehr als 100 fanden dort den Tod.

Schon fast seit unserer Abreise in Norwegen zeigte der Bordcomputer unseres Autos gelegentlich eine eigenartige Warnmeldung an (Dieselfilter reinigen), welche wir zuerst tapfer ignorierten. Als dann immer mal wieder die Dieselzufuhr kurz aussetzte und wir dachten, das Auto stelle bald ab, bekamen wir es mit der Angst zu tun und fuhren am Montag noch in Erfurt zu einer Peugeot Garage. Dort hatte man allerdings keine Zeit und schickte uns nach Jena. Ein kurzer Check bestätigte dann leider, was wir befürchteten: wir sollten mit dem Auto nicht mehr weit fahren. Stefan und ich überlegten kurz, was tun und entschieden uns, nach Hause zurück zu fahren. Sollte uns das Auto auf dieser Strecke „abliegen“, wären wir in deutschsprachigem Gebiet und könnten Hilfe anfordern. In Slowenien wäre vielleicht alles etwas aufwändiger. So machten wir einen gewaltigen Umweg, kamen aber erstaunlicherweise ohne Probleme am Abend in Stettlen an. Wir packten kurz um, assen mit Sereina und Florian z’Nacht und gingen früh schlafen. Am Dienstag standen wir dann auch schon um vier Uhr auf und fuhren kurze Zeit später ab. Durch die Schweiz und den ersten Teil von Deutschland, bis München, kamen wir sehr gut voran. Offenbar waren wir noch vor der morgendlichen Rushhour durch. In München begann es dann arg zu stocken, und so ging es praktisch bis Österreich weiter. Es hatte erstaunlich viele Baustellen auf der Autobahn. Wir dachten, dass dies nur in der Schweiz im Sommer so sei….

In Ratece waren wir dann am frühen Nachmittag und bezogen unser kleines Zimmer. Es ist, wie schon geschrieben, sehr schön hier, wir fühlen uns wohl. Mit uns wohnen lauter OL-Läufer in dem Appartement-Haus. Tschechen und auch Schweizer (und erst noch Weltklasseläufer, da wollen wir uns ein Stück abschneiden…). Im Dorf hat es vier Restaurants, in drei davon wollen wir testessen. Beim ersten waren wir am Dienstag schon überfordert. Wir bestellten gemeinsam eine Fleischplatte, was kam, hätte locker für mindestens vier Personen gereicht. Schmecken tat es ausgezeichnet, aber sogar Stefan musste irgendwann Forfait geben. Gestern waren wir dann vorsichtiger, kamen aber auch hier mengenmässig an unsere Grenzen.

Zwei von fünf OL-Etappen des OO-Cups liegen auch bereits hinter uns. Gestern liefen wir in Villach (Österreich). Sowohl Stefan als auch ich kamen als Spätgestartete trotz heftigem Gewitter mit dem technisch schwierigen Gelände sehr gut zurecht und waren mit unseren Platzierungen zufrieden. Heute war der Lauf in Italien (Laghi di Fusine).

Steine und Felstürme beherrschten die Karte, aber es dünkte uns beide, dass das Gelände trotzdem besser belaufbar war. Stefan hatte wieder einen guten Lauf, mich warf ein dummer Fehler leider ziemlich zurück. Die Autos parkierten wir heute übrigens in Slowenien auf den Parkplätzen der Sprungschanze von Planica. Wenn ich so die Schanzentische anschaute, war ich wieder einmal heilfroh, nicht dort hinauf, respektive danach von dort mit den Skis hinunter zu müssen.

Morgen geht es noch einmal zu den Laghi di Fusine, allerdings teils in einen anderen, noch besser belaufbaren Waldteil. Ich habe noch etwas gut zu machen (…..und Stefan einen weiteren Jahrhundertfehler vor sich?)!