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Keine Leichen in Fjällbacka

Ok, mein Titel weist gerade auf gar nichts hin, aber mir fiel kein besserer ein und so ganz falsch ist er auch nicht. Ich war nämlich in Fjällbacka und da hatte es tatsächlich keine Leichen. Aber das ist natürlich noch nicht alles. Schliesslich fährt man nicht einfach an einem Sonntagnachmittag dorthin, um Leichen zu suchen. Ausser man wohnt in der Nähe. Und das tun Stefan und ich definitiv nicht.

Allerdings nannten wir Strömstad für eine Woche unser Zuhause, und mit dem Auto kommt man von dort in einer knappen halben Stunden zum berühmten Küstenort.

Strömstad war als Aufenthaltsort natürlich nicht zufällig ausgewählt. Letzte Woche fanden dort nämlich die OL-Weltmeisterschaften teil, Stefan und ich waren Teil des Schweizer Fan-Volkes und rannten nebenbei selber noch ein wenig in den Wäldern herum.

Wir reisten am Freitag, 19. August nach Schweden. Schon einen Tag später sprinteten wir durch ein Aussenquartier von Strömstad und versuchten, möglichst wenig Umwege bei der Postensuche zu machen. Obwohl Stefan und ich die Sprintdisziplin nicht mögen, waren wir beide gar nicht so schlecht. Am Sonntag fand fast im gleichen Gebiet eine Mitteldistanz statt, für mich war es eher sprintähnlich, denn auch diesmal mussten wir teilweise wieder durch Wohnquartiere rennen. An diesen beiden Tagen holten die Schweizer Eliteläufer übrigens die ersten Medaillen.

Am Montag war bereits der erste offizielle Ruhetag, was Stefan und mich jedoch nicht daran hinderte, mit einer OL-Karte in den Wald zu gehen. Wir machten gemeinsam ein kurzes Training. Gemeinsam deshalb, weil Stefan seinen Kompass vergessen hatte und ich mit meinem quasi seine Rückversicherung war. Meiner Meinung nach lief er ohne Kompass fast besser als mit….. Ich selber versank dafür bis zur Brust in einem Sumpf und stank danach fürchterlich. Da ich vergass, saubere Kleider zum Umziehen mitzunehmen, war die Heimreise in unserem gemieteten Auto nicht wirklich lustig. Und dabei hatten wir vorgehabt, nach dem Training Süssigkeiten en Gross (die berühmten „Godis“) einzukaufen.

Am Dienstag war wieder eine Mitteldistanz, diesmal nicht mehr in der Nähe eines Ortes und somit skandinavischer als bisher, das heisst, es hatte nicht mehr so viele Wege. Mir gefiel dies natürlich sehr, auch wenn es mir nicht immer gelang, die besten Routen zu wählen.

Dann folgte bereits der nächste Ruhetag. Da Stefan und ich nicht schon wieder trainieren wollten, beschlossen wir, Fjällbacka zu besuchen. Es gab viele gute Gründe, die für den Ort sprachen. Einerseits die Krimis von Camilla Läckberg, welche ich natürlich alle gelesen hatte. Dann gab es unter anderem Ingrid Bergmanns Büste zu besichtigen und last but not least, die „Kungsklufta“ zu durchwandern. Auf die Klufta freute ich mich besonders, denn sie war unter anderem Drehort von Ronja Räubertochter. Das war ein super Gefühl. Wir wanderten noch ein wenig auf den Felsplatten oberhalb von Fjällbacka herum und genossen die Aussicht auf den Ort und das Meer.

 

Da wir einen ganzen freien Tag hatten, fuhren wir noch zu verschiedenen Orten mit Hällristninger (Felsritzungen), welche man an vielen Stellen südlich von Tanumshede besichtigen kann – ein wunderbares Unesco-Weltkulturerbe. Um die ersten zu sehen, mussten wir insgesamt fünf Kilometer wandern. Dabei kamen wir auch noch in den Genuss, ein verfallenes Steinmetzhaus zu sehen und den Kuhstall, welcher zu einer Windmühle gehört hatte. Die beiden anderen derartigen Touristenattraktionen konnten wir dann bequem mit dem Auto erreichen. Mir ging es an diesem Tag leider bereits nicht sehr gut, ich hatte Schmerzen in der einen Brust und das Gefühl, mit Fieber herumzulaufen.

Am Donnerstag war wieder OL angesagt. Weder Stefan noch ich hatten richtig gute Läufe, ich zudem heftige Schmerzen. Als ich mich duschte, merkte ich, dass die Brust komplett entzündet war und wusste, was mir bevorstand: ein Arztbesuch. Noch in Strömstad fanden wir einen, und nach Blutentnahme und diversen Untersuchungen wurde ich mit einem starke Antiobiotika und komplettem Sportverbot entlassen. Tolle Aussichten für die nächsten Tage.

Am Freitag musste ich noch einmal zur Kontrolle. Trotz Antibiotika hatte ich hohes Fieber und noch höhere Entzündungswerte als am Tag zuvor. Der Arzt, eigentlich ein ganz netter, schickte mich unverzüglich nach Trollhättan ins Akutspital. Das hiess für uns über eine Stunde Auto fahren und dann lange Wartezeiten. Immer wieder wurde ich untersucht, man sprach von Drainage und wollte mich gar über Nacht dort behalten. Allerdings fand sich bis spät am Abend kein Arzt, welcher das Ultraschallgerät bedienen konnte, und so wurde ich Knall auf Fall entlassen - ich solle am nächsten Tag wieder vorbei kommen. Leicht frustriert und immer noch mit starken Schmerzen, liess ich mich von Stefan wieder nach Strömstad fahren.

Zum Ultraschall ging ich jedoch nicht. Ich hatte mit meinem Arzt in der Schweiz Kontakt und er meinte, ich solle zu ihm, sobald ich wieder in der Schweiz sei. So gab es noch zwei mühsame Tage, bis wir dann am Sonntag in die Schweiz zurück fliegen konnten. Stefan lief noch die beiden letzten Wettkämpfe, ich jedoch suhlte mich im Selbstmitleid.

Nun habe ich alle medizinischen Abklärungen getroffen und bin auf dem Weg der Besserung. Nach meinem Spitalbesuch in Peru vor einem Jahr habe ich wohl eine neue Betätigung gefunden: ich werde Spitaltesterin…. Oder wohl doch lieber nicht.

Den Schweizer Elite-Läufern ging es übrigens ein ganzes Stück besser als mir. Nicht nur, dass sie alle Wettkämpfe absolvieren konnten, sie kamen auch noch mit vielen Medaillen nach Hause. Acht Stück durften sie sich insgesamt während der Woche umhängen lassen.