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Herbstwanderung

Nachdem mich ein paar „Infektiönli“ in den letzten Wochen an grossen Taten gehindert hatten, gibt es vom letzten Wochenende endlich wieder etwas zu berichten. Es lief sonst einfach nicht so viel bei mir, nachdem ich mit dieser Entzündung aus Schweden zurückgekehrt bin. Beine hoch lagern und hoffen, dass sie mit viel Antibiotika vorbei geht. Ganz ok bin ich noch nicht, aber wie heisst es so schön: die Hoffnung stirbt zuletzt.

Nun denn, gestern war es mir überhaupt nicht ums Sterben. Stefan und ich fuhren früh am Morgen nach Beatenberg, weil wir wieder einmal das Gebiet zwischen dem Niederhorn, Gemmenalphorn und Habkern durchwandern wollten. Wie oft waren wir schon in den prächtigsten Alpenrosen- und Karstgebieten unterwegs und können uns immer noch nicht an der Aussicht in die Berge satt sehen. Auf der einen Seite die „sibe Hängschte“ oder das Sigriswiler Rothorn, auf der anderen Seite Eiger, Mönch und Jungfrau. Bei schönem Wetter hält man die Aussicht beinahe nicht aus.

Uns erging es gestern auf jeden Fall wieder so. Um acht Uhr begann unsere Wanderung in Waldegg. Von dort aus ging es leicht steigend Richtung Unterburgfeld und Oberburgfeld. Nicht immer folgten wir dem Wanderweg, denn kleinere Abkürzungen den Wiesen entlang halfen uns, schneller in dieses wahnsinnig schöne Gebiet mit den Alpenrosen, Erikastauden und Heidelbeerbüschen, den kleinen Sümpfen und Waldlichtungen zu kommen.

Schon nach einer Stunde ging verfolgte mich Eichendorffs Gedicht: 

Fliegt der erste Morgenstrahl

Durch das stille Nebeltal

Rauscht erwachend Wald und Hügel

Wer da fliegen kann, nimmt Flügel

Unten im Tal lag tatsächlich noch Nebel, oben beschien die Sonne die ersten Berggipfel. Wahnsinn.

Bevor wir nach Oberburgfeld kamen, bogen wir ab und wanderten gemütlich nach Oberberg und von dort weiter nach Gstapf, Schwendi, immer mit den „Sibe Hängschte“ und den fantastischen Schratten vor Augen. Wir leisteten uns eine der seltenen Pause und genossen das Panorama. Die Sonne wärmte schon von Anfang an mächtig, so dass wir eher an einen milden Sommertag als an einen Sonntag Mitte Oktober dachten. Lange Zeit war keine Wolke am Himmel zu sehen. Ich plagte meine Lieben daheim und Cousine Tanja arg mit Postkartenfotos via Whatsap. Das musste einfach sein.

Nach etwa drei Stunden drehten wir um und wanderten quasi eine Stufe höher, also immer noch inmitten der herrlichsten Bergwelt wieder zurück. Die Gegend rund ums Gemmenalphorn beherbergt einige Steinböcke, wir hofften selbstverständlich, ein paar davon zu erblicken. Offenbar war es ihnen zu warm, wir sahen leider nirgendwo einen König oder eine Königin der Alpen. Das wäre noch das Tüpfelchen auf dem i gewesen.

Da ich immer noch unter den Nachwehen meiner Infektion leide, wurde es keine allzu lange Wanderung, aber knapp sechs Stunden hielten wir es doch aus. Daheim war ich so müde, als ob ich einen Marathon hinter mir hätte. Aber bevor ich mehr dazu schreibe, lasse ich lieber ein paar Bilder sprechen.