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Training auf die andere Art

Stefan und ich sollten nicht mehr so viel joggen. Unsere Knie haben sich im Laufe der Jahre ein wenig abgenutzt und sind dankbar für jegliche Art von Bewegung, wenn sie eben nicht joggenderweise ist. Doch was sind die Alternativen? Aquajogging? IIIIIhh, da werde ich ja nass… Spinning? Oh weh auf der Stelle treten - langweilig! Velofahren? Vor wenigen Monaten wäre ich noch laut schreiend davongejoggt. Doch mittlerweile sagen die Knie eben nein dazu. Heute war es soweit. Wir wagten unsere erste Velotour. Stefan und ich machten so etwas noch nie, schon gar nicht gemeinsam.

Wir pedalen zwar beide tapfer zur Arbeit und wieder zurück, aber auch nur, weil die Strecke fürs Joggen doch zu lang ist und die Bahnfahrt nach Bern keine wirkliche Alternative darstellt. Aber freiwillig am Sonntag aufs Velo? Nun denn, wir fuhren los. Gemütlich und bei schönstem Frühlingswetter. Von Stettlen aus ging es über den Wyler nach Nesselbank und Worb. Dort dann durchs Dorf und weiter auf Nebenstrassen Richtung Trimstein, Tägertschi, Wichtrach. Ich gebe es ungern zu, aber das langsame Rollen machte Spass. Und der Kilometerschnitt auch. Könnte ich nur so schnell rennen. Florian kann es…

In Wichtrach war der erste Wendepunkt. Wir fuhren über die Autobahnbrücke und dann alles durch die Aareaue Richtung Münsingen und Belp. Auch wenn ich eine eher vorsichtige Fahrerin bin, kamen wir flott voran. Und nach der ersten Stunde war ich noch gar nicht müde. Nach Belp gab es ein paar Umwege, weil überall Fahrverbot war. Dafür konnten wir Flugzeuge beobachten.

Und danach war Stau. Offenbar hatte der diesjährige Zweitage-Marsch genau unsere Veloroute als Marschroute auserkoren. Uns kam eine wahre Flut von marschierenden Soldaten, Polizisten, Zivilisten und Fahnenträgern entgegen, manchmal war es gar nicht so einfach, den Wanderern auszuweichen. Schlechte Routenwahl. Na ja, irgendwann war der Weg wieder frei und wir konnten voll in die Pedalen treten. Doch langsam merkten wir, dass wir müde wurden. Oder besser gesagt, dass uns die Hintern weh taten. Beim Joggen wird dieser ja bekanntlich verschont.

Wir fuhren gemütlich der Aare entlang in Richtung Marzili und dann von dort hinauf zum Thunplatz. Nun waren wir mitten in Bern. Via Gryphenhübeli, Schosshalde ging es dann zum Zentrum Paul Klee hinauf. Dort machten wir noch einen kleinen Umweg, so dass wir schlussendlich in Gümligen landeten und durch das Gümligentäli nach Stettlen zurückkamen. Auch wenn wir wirklich gemütlich unterwegs waren, war ich nach den gut zweieinhalb Stunden ziemlich müde. Aber auch zufrieden, irgendwie. Vielleicht muss ich meine Meinung über das Velofahren revidieren. Vielleicht fahren wir wieder einmal, wer weiss.

Vorher aber geht es nach Norwegen – hurra. Die Wetterprognosen versprechen sonnige und warme Tage, ich denke, Stefan und ich werden uns auch ohne Fahrräder knieschonend bewegen. Die Stiefel und Wanderschuhe sind auf jeden Fall eingepackt.