Home

Was man so tut, wenn man nichts tut

Wir sind zwar erst seit ein paar Tagen hier in Norwegen, aber Stefan meinte, es wäre höchste Zeit, dass ich etwas auf meine Homepage stelle. Da ich doch ab und zu auf ihn höre und mir gerade nach Schreiben ist, folge ich seinem Rat. Nun denn, wir sind also seit letztem Mittwoch in Südnorwegen, in Sirekilen. Wer nicht weiss, wo das liegt, macht nichts, ich wusste es bis vor wenigen Tagen auch nicht. Von Kristiansand aus fährt man rund 30 Kilometer gegen Norden und biegt irgendwann in die Pampa ab. So einfach ist das.

Bis wir hier ankamen, gab es noch eher strengere Tage zu überstehen. Stefan musste im Büro einiges erledigen, ich war Montag und Dienstag an meinem CAS-Kurs in Fribourg und hetzte am Dienstag vor dem Kursende nach Hause. Noch schnell unter die Dusche, die restlichen Sachen ins Auto packen und los ging es. Am Anfang mit viel Stopp and go, die Autobahn nach Basel war voll, danach wurde es auch nicht besser. Ich sass die ersten 500 Kilometer am Steuer, dann übernahm Stefan, bis wir irgendwann in Flensburg waren. Von dort tuckerte ich, fast schon traditionsgemäss, durch ganz Dänemark. In Hirtshals waren wir rund zwei Stunden vor der Abfahrt der Fähre, aber da man nie weiss, wie gut man durch Deutschland kommt, mussten wir Reservezeit einplanen.

Die vier Stunden auf der Fähre nach Kristiansand überstanden wir auch irgendwie. Da, wieder traditionsgemäss, ich jeweils am Steuer bin, wenn wir zum ersten Mal norwegisches Territorium betreten, fuhr ich weiter. Wieder mit viel Stopp und wenig go, bis wir endlich das Hafengelände (Einreisekontrolle) von Kristiansand hinter uns lassen konnten. Danach war es wirklich nicht mehr weit, wie geschrieben, ein bisschen nach Norden und dann rechts abbiegen. Vorher noch in Vennesla die ersten Lebensmittel (Lachs!!) einkaufen.

Unser Ferienhaus ist der untere Teil eines ehemaligen Bauernhauses. Die Vermieterin wohnt oben und ist sehr nett. Ich geniesse es, mit ihr zu plaudern, ich hoffe, sie auch. Am Mittwoch taten wir nicht mehr viel, die durchwachte Nacht steckte in den Knochen. Es gab den ersten Lachs und dann ein weiches Bett. Am Donnerstag machten wir die erste Wanderung. Wir setzten gemütlich ein paar OL-Posten oberhalb der Hütte in den Wald und schwitzten um die Wette. Noch ein wenig müde von der Reise, blieben wir allerdings nicht lange draussen. Am Abend schauten wir noch den Sprint des OL-Weltcups in Finnland, Florian schaffte es wegen winzigen zwei Sekunden nicht in den Final. Schade, aber er hob sich die noch besseren Resultate für die Tage danach auf!

Am Freitag gab es die zweite Wanderung. Diesmal waren wir nordöstlich vom Oggevatn auf der Karte „Vindvann“. Auch am Freitag war es heiss, so dass wir arg ins Schwitzen gerieten. Bei einem der unzähligen Seen zog es mich dann förmlich ins Wasser. Und das will etwas heissen, denn im Prinzip bin ich extrem wasserscheu. Ich trinke es nicht einmal. Doch der See war angenehm warm und das Nass (tönt jetzt blöd) trocknete den Schweiss. Vielleicht war es auch die Sonne nach dem Baden. Natürlich wagte sich auch Stefan nach mir in den See. Sonst ist er ja nicht so, meistens geht er sogar baden, ohne dass er es will (jeweils dann, wenn er im Eis einbricht). Das Gelände war traumhaft, doch das schreibe ich auch immer, wenn ich in Norwegen bin. Aber es ist wirklich so.

Am Samstag war zuerst einmal Weltcup in Finnland gucken dran. Wie gebannt starrten Stefan und ich auf die sich bewegenden Punkte im Internet und hofften und bangten mit den Schweizern. Als Florian startete, war ich mit meinen Nerven schon so flatterig, dass ich nicht zugucken konnte. Ich ging an den See herunter, drückte mir die Daumen blau, zählte zig mal bis sechzig, und als ich dachte, die halbe Stunde sei nun um, ging ich wieder zurück. Das Daumendrücken hatte sich gelohnt, Florian hatte einen nahezu fehlerfreien Lauf und klassierte sich in den Weltcuppunkte-Rängen. Sereina flog an diesem Tag von Costa Rica zurück, ich dachte einmal kurz daran, wie meine Familie grad ziemlich verstreut ist. Thomas, Alex, Robin, Lea in der Schweiz, Sereina eben in Costa Rica (mit Esther), Florian in Finnland und wir in Norwegen. Stefan und ich gingen nach dem Gucken auch noch etwas mit Karte und Kompass in den Wald, allerdings viel, viel langsamer als Florian ein paar Stunden zuvor. Wir erkundeten die dem Haus und See gegenüberliegende Seite. Ganz am Schluss ging es in voller OL-Montur (mit Schuhen) in den See, irgendwie muss man sich hier oben ja abkühlen.

Gestern war das letzte Daumendrücken für den Finnlandreisenden angesagt. Diesmal hatte ich meine Nerven bis Posten 15 der Langdistanz im Griff, danach ging ich wieder mit gedrückten Daumen nach draussen und zählte die Sekunden. Es lohnte sich noch einmal. Florian verbesserte sich in einem brutalen Jagdstartrennen von Startposition 33 auf den wahnsinns Schlussrang 18.

Nach seinem tollen Lauf wollten auch wir es wissen und rannten zum ersten Mal im Wald herum. Ich hatte eine Strecke von rund vier Kilometern und genoss das langsame Hoppeln sehr. Die Posten waren alle da, wo ich sie vermutete. Einmal traf ich unterwegs Stefan, der weitere Posten setzte und vermutlich vor lauter Schreck (ich hätte seiner Meinung nach noch gar nicht dort sein dürfen) grad den Kompass verlor. Ein bisschen Suchen im ruppigen Untergrund, und er fand ihn tatsächlich wieder…Ich war nach dem Training zufrieden mit mir und der Welt und ging für einmal nicht baden. Dafür badete Robin wohl zum ersten Mal draussen im Planschbecken, was ihm gemäss aktuellen Fotos zu gefallen schien, und Sereina landete wohlbehalten wieder in der Schweiz.

Heute war wieder Wandertag. Diesmal fuhren wir mit dem Auto ein Stück in Richtung Kilefjorden, weil es dort auch eine tolle OL-Karte hat. Diese Wanderung war fantastisch. Norwegen eben, mit vielen Sümpfen, Felsplatten, Heidelbeerbüschen, Seen soweit das Auge reicht. Stefan wanderte voran und ich musste danach zeigen, wo wir überall waren. Als Auffangübung gar nicht so schlecht.

Nun geniessen wir draussen das tolle Wetter, trinken Kaffee, essen Lettrømme mit Blåbeeren und finden, dass Ferien schon unheimlich toll sind – vor allem hier in Norwegen!