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Ein Ortswechsel und Rentiere auf dem Teller

Nun hat sich einiges getan bei uns, wir sind sowohl zeitlich als auch örtlich fortgeschritten. Seit zwei Tagen heisst unser neuer Beherbergungsort Ormåsen, auf Deutsch Schlangenhügel. Zum Glück habe ich bisher noch kein Tierchen gesehen, auf welches die Bezeichnung Schlange passt.

Die restlichen Tage, die wir noch in Sirekilen waren, gefielen uns extrem. Wir machten ganz wenig OL-Trainings gleich oberhalb unserer Hütte, und ich musste feststellen, dass meine Beine für die Sümpfe und Heidelbeerstauden einfach viel zu kurz sind. Ich komme kaum drüber…

Am letzten Tag im Mai besuchten wir Kristiansand. Endlich, muss ich fast sagen, denn wir waren doch schon einige Male in der Nähe dieser südlichen Küstenstadt, aber zu einem Bummel durch die Strassen reichte die Zeit nie. Diesmal jedoch nahmen wir uns vor, ein paar Stunden lang Kristiansand auf uns einwirken zu lassen. Doch schon als wir runter fuhren änderten wir beinahe synchron unsere Meinung. Drei Stunden Stadtlatsche? Nie und nimmer. So war unser erstes Ziel ein Parkhaus am Rand von Odderøya, gemäss Webseite das Portal zu Kristiansands kulturellem Mittelpunkt. Odderøya ist keine Insel im eigentlichen Sinn sondern eine bewaldete und felsige Halbinsel, die man in einer guten Stunde zu Fuss umrundet hat. Überall auf der Halbinsel fanden wir Kriegshinterlassenschaften, alte Kanonen, Geschützstellungen, Bunker und so weiter. Ich dachte zuerst, das wäre noch alles vom zweiten Weltkrieg, aber dieser wird auf den vielen Tafeln nie erwähnt.

Die Gebäude stammen zum Teil aus dem 18. Jahrhundert. Im Internet gibt es spannende Texte zu Odderøya. Wären wir an einem Sonntag dort gewesen, hätten wir noch feine norwegische Waffeln essen können. Dies holten wir dann in Kristiansand-City nach, respektive, es waren französische Crêpes und die Verkäufern eine ausgewanderte Französin. Kristiansand selber, also der Teil, durch den wir danach spazierten, war gar nicht so gross und spektakulär. Was wir leider nicht besuchten, war die sehenswerte Altstadt oder die Kathedrale. Stefan und ich waren schon leicht pflastermüde.

Nach dem Besuch von Kristiansand fuhren wir wieder ein wenig ins Landesinnere nach Torridalen und nahmen an einem kleineren OL teil. Der Wald war für meine Verhältnisse extrem ruppig, doch als ich später bei Dani Hubmann nachfragte, meinte er nur, er kenne in Kristiansand keine ruppigen Wälder… Ich bot auf jeden Fall keine tolle Performance.

Am 1. Juni fuhren wir dann mit dem Auto nach Evje und bestaunten in der näheren Umgebung spannende Stromschnellen.

Mitten im Fluss gab es eine kleine Insel mit einem Baum drauf. Und zuoberst hatten Fischadler ihr Nest. Da kommt sicher kein Wildtier in die Nähe. Clever gebaut. Wir konnten die Vögel beim Füttern der Jungen beobachten.

Evje hat gemäss Beschreibung ein grosses Mineralienvorkommen, leider las ich erst am Abend darüber, sonst wären Stefan und ich sicher noch Steine graben gegangen.

Am letzten Tag in Sirekilen taten wir dafür gar nichts mehr. Ferien machen müde, und so entspannten wir uns daheim und assen dafür viel. Wer uns kennt, weiss auch was: Lachs und Potet. Da müssen wir durch!

Am Samstag war dann schon wieder Reisetag. Wir fuhren während rund viereinhalb Stunden von Sirekilen nach Kongsberg. Also quasi in meine „Heimat“. Unterwegs machten wir einen kurzen Fotostopp bei der Stabkirch von Heddal.

In Kongsberg starteten wir dann am Nachmittag zur ersten Etappe des Pinseløp, auch das kann ich mittlerweile als Tradition bezeichnen. Im 2011 half ich ja sogar mit beim Organisieren. Diesmal liefen Stefan und ich die gleiche Strecke, Direkte A Lang. Es war eine Mitteldistanz, doch dank doofer Fehler weitete ich sie zu einer Langdistanz aus. Schade, denn der Wald ist ultraschnell und im Prinzip, also wenn man den Kopf beieinander hat, gar nicht so schwer. Nach dem Lauf trafen wir die ersten Bekannten und ich fühlte mich wirklich wie daheim.

Gestern und heute waren die beiden anderen Etappen, wieder im gleichen Wald, im Gammelgrendåsen, und ich konnte vor allem gestern zeigen, dass auch ich ab und zu meinen Kopf mit an den Wettkampf nehme. Es lieb mir gut, allerdings lief ich langsam. Ich habe immer noch keine Ahnung, wie die Norweger da durchrennen, weil sie immer so ungeheuer schnell sind. Liegt es wirklich nur an meinen kurzen Beinen?

Gestern Abend waren wir Gäste bei Claudia und Kolbjørn Kasin und ich durfte meinen ersten Rentierbraten geniessen. Ich glaube, ich muss meine Cousine mal überreden, hier oben zu jagen…der Braten schmeckte richtig gut.

Regnete es gestern wie aus Kübeln, scheint heute die Sonne wieder. Es ist warm draussen. Leider soll es die nächsten Tage eher wieder kühler werden, doch das wird uns nicht daran hindern, noch ein wenig in den Wäldern oder Fjells herumzuwandern. Gerannt sind wir nun genug, von jetzt an geht es nur noch mit Gummistiefeln ins Gelände. Und ein paar Besuche haben wir auch noch vor uns. Morgen fahren wir zum Beispiel nach Vikersund, und ich sehe „meine“ Familie aus dem 2011 wieder.