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Es geht schnell

Erst noch genoss ich den Verwandtenbesuch in Brusio und Cavaione, nun sitze ich bereits seit einer halben Woche wieder daheim. Der Alltag nimmt einen schnell wieder gefangen. Heute ist allerdings bereits mein nächstes Highlight: Enkel Robin kommt zu Besuch. Seit Neustem kann er selbständig gehen, ich bin ja gespannt, wie das nun wird. Joggingschuhe her und ab ins Training oder so….

Die Tage in Cavaione vergingen im Flug. Allerdings hatte ich bei meiner Rückreise wirklich das Gefühl, eine Ewigkeit im «Adlerhorst» (oder besser: «Hühner-mit-steigeisen-paradies») gewesen zu sein. Mein Rhythmus verlangsamte sich, ich kam zur Ruhe und merkte, wie unheimlich gut dies tat. Eigentlich würde ich allen eine Woche Ziegenhüten bei Anna gönnen. Nein, eigentlich nicht, dann müsste ich ja Schlange stehen, wenn ich auch wieder möchte.

Am Freitag war bei mir noch einmal ein aktiver Ruhetag. Nach dem Füttern der Tiere beschloss ich, bei schönstem Sonnenschein eine kleine Runde zu gehen. Von den Stürmen in der Restschweiz oder Deutschland bekam ich bis dahin nur via Fernseher etwas mit. Cavaione lag ruhig und friedlich in der Sonne. Ich lief die Strasse hinauf, bog dann irgendwann in einen kleineren Weg ein und folgte diesem bis zu einer Schlucht.

Eigentlich hätte ich dem Weg noch weiter folgen können, doch im Schatten lag doch noch etwas Schnee und ich mochte nicht stapfen. So drehte ich um, wählte dann eine andere Route und konnte so gemütlich zu meinem Häuslein zurückspazieren. Just als ich bei der Kirche war, begannen die Glocken zu läuten, irgendwie «heimelig».

Wieder in der noch wärmeren Stube, respektive Küche, merkte ich dann bald einmal, dass sich das Wetter draussen verändert hatte. Plötzlich wehte auch hier ein kräftiger Wind. Als ich nachschauen ging, ob noch alles dort stand, wo es sollte, sah ich, dass alle Tiere sich in ihre Ställe zurückgezogen hatten, auch die sonst freiheitsliebenden Ziegen. Auch wenn der Wind nie die Stärke eines Sturms erreichte, war ich doch froh, nicht mehr im Wald unterwegs zu sein, die Bäume, die ich sah, beugten sich recht.

Ich genoss den letzten Nachmittag in der gemütlichen Küche, strickte, schrieb und bald einmal war Anna auch wieder da. Wir verbrachten zusammen einen urgemütlichen Abend, und ich war einmal mehr glücklich darüber, dass diese wunderbare Frau im Haus meiner Grosseltern lebt und ich sie ab und zu besuchen darf – danke Anna!

Am Samstag fuhr ich dann sehr früh wieder zurück nach Bern. Anna brachte mich zum Bahnhof Brusio, und von dort dauerte es ziemlich genau sieben Stunden, bis ich wieder daheim war. Wie ich ganz zu Beginn schrieb, irgendwie war ich wirklich am Ende der Welt, aber an einem schönen. Es könnte ja auch der Anfang der Welt sein – meiner ist es auf jeden Fall.