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See, Stadt und Berge

 

Ich weiss, dass ich erst vor wenigen Tagen den ersten Text hochgeladen habe, aber Stefan und ich haben in der Zwischenzeit so viel erlebt, dass ich jetzt schon wieder schreibe, sonst wird es fast ein wenig zu viel. Hier wo wir gerade sind, haben wir zudem Internet, das wird in den nächsten Tagen vermutlich anders sein.

Mein erster Text schloss damit, dass Stefan und ich in Otavalo waren und im Sinn hatten, den Cuicoccha-Kratersee zu umwandern – was wir auch taten. Unser Chauffeur fuhr uns bis an den Rand dieses Kraters und wartete dann brav vier Stunden auf uns. Während dieser Zeit umrundeten wir Touristen den See, immer im Gegenuhrzeigersinn, immer mit Blick auf das Innere. Der Wanderweg führte mal steiler mal etwas weniger steil am Kraterrand entlang und war wirklich schön zu gehen.

Auch wenn wir zum ersten Mal eher hoch wanderten (zwischen 3000 und 3400 m), hatten wir immer genügend Schnauf, um die Aussicht zu bewundern. Am Schluss der Wanderung kamen wir leicht ins Schwitzen, denn wir wussten nicht mehr so recht, wo genau uns unser Chauffeur erwartete. Dieses «Nicht-genau-Wissen» bescherte uns zusätzliche 20 Minuten Gehen, aber wir fanden den guten Mann.  

Er fuhr uns dann mit einem Umweg über den berühmten, bunten Markt von Otavalo zu unserem nächsten Ziel, nach Quito, Ecuadors Hauptstadt. Hier wollten wir am nächsten Tag die Stadt besichtigen. Da Quito fast unendlich gross ist, liessen wir uns von einem Taxi in die Nähe der Altstadt bringen. Als erstes besichtigten wir die Basilica, eine imposante Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Stefan stieg bis ganz zum Turm hinauf, mich liessen die steilen Stiegen ausserhalb etwas weiter unten die Aussicht geniessen. Auch so hatte ich einen wunderbaren Ausblick über die unzähligen Häuser, welche bis zum Horizont zu sehen waren. Diese Stadt ist wirklich riesig.  

Nach dem Besuch der Basilica schlenderten wir noch ein wenig in der Altstadt herum, bestaunten das bunte Treiben und liessen uns irgendwann wieder ins Hotel zurückfahren. Stadtbesichtigungen machen einfach müde. 

Am nächsten Tag holte uns ein neuer Chauffeur ab und fuhr uns durch wirklich malerische Gegenden nach Chilcabamba, am Fusse des Pasachoa. Chilcabamba ist eine urige Lodge irgendwo im Nirgendwo.

Hier haben wir ein tolles Zimmer mit direkter Sicht auf den Cotopaxi, einem bilderbuchmässigen Stratovulkan. Stefan war vor vielen Jahren auf dem Gipfel dieses Vulkans, mir wird nur schon beim blossen Anblick schwindlig. Vor drei Jahren hatte er seinen letzten kleineren Ausbruch, noch heute sieht man kleinere Rauchfahnen.  

Bevor wir es uns in der Lodge jedoch gemütlich machen konnten, wurden wir von unserem Chauffeur auf staubigen Schüttelpisten bis zum Parkplatz des Refugio José-Ribas gefahren. Von dort wanderten wir die 250 Höhenmeter Anstieg bis zum Refugio auf 4860 m hinauf. Ich staunte, wie leicht mir dabei das Atmen fiel. Das war bei mir nicht immer so…. Und ich staunte noch mehr, als ich merkte, dass ich auch auf dieser Höhe einen enormen Hunger hatte. Eigentlich mag man da nicht mehr so essen. Mir schmeckte auf jeden Fall die Forelle des späten Mittagessens nach der Umrundung der Laguna Limpiopungo in der Tambopoxi-Lodge sehr! Mit Abnehmen wird es irgendwie nichts… 

Nach einem extrem feinen Silvester-Abendessen (ich schlug schon wieder zu), verschliefen Stefan und ich den Beginn des neuen Jahres komplett. Dafür waren wir heute frisch genug, eine weitere Wanderung zu unternehmen. Wir stiegen dabei direkt von unserer Lodge (3500 m) noch einmal bis 4000 m hoch und genossen dort auf einem Seitengrat des Sincholagoa eine fantastische Aussicht. Natürlich auf den Cotopaxi, aber auch bis nach Quito.  

Nach dieser Wanderung liessen wir es uns nicht nehmen, uns in der Nähe der Lodge ein Rodeo anzuschauen. Dieses Volksfest findet immer am 1. Januar statt und lockt sicher fast eintausend Zuschauer an. Stefan und ich staunten über die farbenfrohen Menschen, über die vielen Pferde und das ausgelassene Treiben.

Wir verstanden zwar nicht viel vom Rodeo, aber irgendwie war es eindrücklich. Die Männer, die sich auf den wilden Stieren versuchten, blieben auf jeden Fall nie lange oben. Das war ein wunderbarer Abschluss eines weiteren spannenden Tages. 

Morgen gibt es eine «Bergbesteigung», doch davon später – irgendwann, wenn ich wieder gutes Internet habe.