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Herbst

Ich stelle soeben mit Schrecken fest, dass mein letzter Eintrag hier noch von den Sommerferien, also vom Juli, ist. Wahnsinn, wie einmal mehr die Zeit davongerast ist. Wir haben bald November.

Allerdings ist in meinem Leben auch nicht so viel Weltbewegendes geschehen, was unbedingt hätte aufgeschrieben werden sollen. Und viel zu tun haben bekanntlich die meisten von uns. Ich will also absolut nicht jammern und ein wenig berichten, woran ich im Moment gerade arbeite.

Sehr schön entwickelt sich nämlich mein zweites Standbein, das Schreiben. Seit gut einer Woche weiss ich, dass ich mich als «selbständig» bezeichnen darf, was schon noch ein gutes Gefühl gibt. Klar habe ich nach wie vor meine tolle Arbeit bei der ESchK (ausgeschrieben heisst das: Eidgenössische Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten), aber das Schreiben erfüllt mich mehr und mehr.

Gerade im September durfte ich ein Wochenende lang drei Frauen interviewen und bin nun daran, aus den Geschichten von Grossmutter, Tochter und Enkeltochter eine Einheit zu «weben». Eine faszinierende, aber nicht ganz so einfache Aufgabe.

Zwei Biografien sind in der Endphase, also bei der Graphikerin und danach im Druck. Beide Personen, die mir ihr Leben erzählten, haben mich mit ihren Geschichten tief beeindruckt. Weitere Projekte sind mehr oder weniger am Laufen, so auch eines meiner persönlichen «Herzensprojekte»: Erinnerungen an die Primarschulzeit in Ilanz.

Schon länger habe ich mich immer wieder mit ehemaligen Schulkameradinnen und -kameraden getroffen und mit ihnen über unsere sechs Jahre an der Primarschule Ilanz gesprochen. Viele meinten am Anfang, nicht mehr viel zu wissen, aber wenn man dann zusammensitzt und gemeinsam in die Vergangenheit eintaucht, kommt ganz viel hervor. Auch zusammengesetzt habe ich mich letzten Montag mit unserem ehemaligen Lehrer der 5. und 6. Klasse. Er ist mittlerweile pensioniert und lebt seit diesem Frühling auf einem idyllisch gelegenen Bauernhof in Frankreich, rund zweieinhalb Stunden von Bern entfernt. Am Montag fuhr ich, wagemutig, denn nur mit dem Navi ausgestattet, zu ihm und fand ihn tatsächlich nach nur kurzem Suchen (und Fragen). Es wurden spannende Stunden, in welchen es aber nicht nur um die Schulzeit ging. Ich bewundere Menschen, die den Mut haben, aus dem normalen Alltag auszubrechen und Träume in die Tat umzusetzen. Das Bauernhaus wird meinen Lehrer wohl noch viele Jahre beschäftigen, aber es wird ihn auch erfüllen. Und die Lage ist einmalig.

Ob Stefan und ich es jemals bis Norwegen schaffen?

Im Moment kann ich es mir nicht vorstellen, mein Lebensmittelpunkt ist definitiv hier bei meiner Familie. Ich geniesse es extrem, meine erwachsenen und selbständigen Kinder immer wieder zu sehen und mit ihnen ein paar Stunden zu verbringen. Ich geniesse meine beiden Enkel Robin und Ronja, die mir jede Woche zeigen, wie wenig es im Leben braucht, um zufrieden zu sein, die mir wieder eine Welt des Spielens eröffnen, eine Welt der Ruhe, eine Welt des Fröhlich Seins. Ich geniesse es mittlerweile, jeden zweiten Freitag zu meinem Vater zu reisen und mit ihm den Tag zu verbringen. Hier geht es auch darum zu akzeptieren, dass mein Vater älter wird und sich die Verhältnisse zwischen Geben und Nehmen verändern. Früher war mein Vater eine Stütze für mich, nun bin ich es für ihn.

Gerade das «Switchen» zwischen den Enkeln einerseits und dem Vater andererseits zeigt mir immer deutlicher, dass das Leben ein steter Fluss ist – es ist an uns, mit diesem Fluss zu reisen und seinem Wasserlauf zu folgen. Nicht immer ganz einfach…