Ab in den Winterschlaf

Gestern also war es so weit: wir hatten den letzten OL der Saison 2015. In Froideville oberhalb von Lausanne fand die Team-Schweizermeisterschaft statt. Eigentlich laufe ich keine solche Anlässe, weil ich mir nicht zutraue, schnell genug für ein Team zu sein, doch in diesem Jahr machte ich eine Ausnahme. Ich durfte nämlich mit Cornelia Müller und Franziska Müller-Hotz laufen, zwei schnellen Seniorinnen. Da fühlte ich mich schon ein wenig gebauchpinselt, ich gebe es gerne zu.

Allerdings fühlte ich mich auch ziemlich nervös, denn ich hatte grosse Angst, das gute Team aufgrund eines Fehlers oder zu geringer Laufstärke zu vermasseln. Nun ja, ich hatte A gesagt, und darauf folgte unweigerlich das B.

Mit Stefan, Florian, Lea und noch zwei OL-Kolleginnen fuhren wir gestern Morgen Richtung Westschweiz. Florian und sein Team startete leicht vor uns, Lea mit ihren Frauen kurz hinter uns. Stefan lief nicht, er musste noch ein wenig seinen schmerzenden Rücken schonen. So begleitete er mich zum Start und wartete danach am Ziel wieder.

Der Team OL in der Schweiz ist ein spezieller Anlass und wird meines Wissens auch nur hier in dieser Art durchgeführt. Man startet zwar gemeinsam, kommt auch wieder gemeinsam ins Ziel, doch die Posten laufen die drei Teammitglieder meistens getrennt an. Wer klug aufteilt, schnell rennt, alles perfekt findet, landet auch ganz weit vorne in der Rangliste.

Da ich die Taktik meiner beiden Kolleginnen nicht kannte, überliess ich es ihnen, zu entscheiden, wer von uns zu welchen Posten rennt. So durfte ich vom Start weg direkt zu Posten Nummer 7 rennen, was jedoch hiess, dass ich gleich einmal im gestreckten Galopp durch den halben Wald hindurch durfte. Da ich wusste, dass die beiden anderen im Gelände schnell sind, wusste ich auch, dass ich auf den Wegen Gas geben musste, um nicht nach ihnen am vereinbarten Posten zu sein. Dies gelang mir gottlob, und ich hatte sogar noch Zeit, Florian, welcher gerade dann den gleichen Posten stempelte, beim Orientieren zuzuschauen. Das sah richtig gut aus: sicher, zielstrebig, schnell.

Franziska übergab mir bei diesem Posten kurze Zeit später den „Badge“ (Zeiterfassung bei allen Posten) und ich rannte zu den nächsten zwei Posten. Dort wartete Cornelia und der Badge wechselte erneut die Besitzerin.

Beim elften Posten waren wir alle zusammen, denn dieser war ein Kontrollposten. Danach ging es für mich wieder ziemlich schnell zum letzten Posten, wo kurz nach mir auch meine beiden Kolleginnen eintrafen. Bis ins Ziel war es dann ein Katzensprung. Obwohl ich nicht alle Posten angelaufen bin, war ich recht müde. Die „Abkürzungen“ erforderten auch von mir schnelle Beine, und da ich diese sonst nicht so habe, lief ich ziemlich am Limit. Auf jeden Fall war mein Team so gut, dass es uns gar aufs Podest reichte, wir wurden zweite.

Florian und seine Kollegen hatten auch einen guten Tag erwischt und durften in der Elite-Kategorie ebenfalls aufs Treppchen steigen, sie wurden sehr gute dritte.

Stefan fuhr uns nach der Rangverkündigung nach Hause, und ich war sehr froh, nicht selber am Steuerrad sitzen zu müssen. Nun sind wir stolze Besitzer von feinem Waadtländer Käse und können so unsere Erfolge noch etwas länger geniessen. Ist doch cool, oder?

Nun aber ist die OL-Saisin definitiv  vorbei und ich werde mich ein wenig dem Winterschlaf hingeben. Im November sollte man eigentlich nichts anderes tun als ein wenig sein, möglichst nicht arbeiten, dafür viel lesen und schlafen. Im Dezember darf es dann von mir aus schneien wie wild und zwar so fest, dass es sich lohnt, die warme Stube zu verlassen und mit den Schneeschuhen durch die Wälder zu stapfen, dann aber ganz langsam und gemütlich.