Auf der Strasse nach Süden….

….mit der Sonne als Ziel, heisst es in irgendeinem Schnulze-Lied aus den 70er Jahren. Stefan und ich nahmen uns letzte Woche diese Zeilen zu Herzen und flogen nach Portugal. Schon beim Warten aufs Flugzeug hätten Eingeweihte erkennen können, weshalb es uns in den Westen der Iberischen Halbinsel zog: das halbe Flugzeug war voller OL-Läufer. Noch waren alle mit frischen, sauberen, wohlriechenden Kleidern unterwegs, was sich im Laufe der Woche allerdings drastisch ändern sollte…

Nach nicht ganz drei Stunden Flug kamen wir in Lissabon an und benahmen uns äusserst geschickt, so dass wir ziemlich schnell zu unserem Mietwagen kamen: einem Fiat Punto. Schön klein war er, und schön quietschte es auf der einen Seite von Anfang an. Aber so wussten wir: solange das Wägelchen quietschte, lebte es noch – oder ähnlich.

Unser Navi führte uns danach schnurstracks nach „Termas de Monfortinho“, einem Weiler ziemlich nahe der spanischen Grenze. Das Quietschen begleitete uns in jeder Linkskurve, und davon hatte es eine ganze Menge. Das Hotel Boa Vista beherbergte uns während den ersten vier Tagen. Von dort aus fuhren wir jeweils ein paar Kilometer Richtung Penamacort, wo wir unsere Wettkämpfe hatten. Im zum Teil sehr steinigen und noch mehr dornenreichen Gelände kämpften wir bei zwei Mittel- und zwei Langdistanzen um Ruhm und Ehre. Als schmerzhafte Erinnerungen davon nahmen wir unzählige Kratzer, kleinere Blessuren und Dornensplitter mit nach Hause. Ich würde behaupten, dass ich im Moment keine „Model-Beine“ habe….zum Glück haben wir noch kein Badewetter…

Die beiden Mitteldistanzen liefen bei mir noch ganz ordentlich, derweil ich mich mit den Bahnen der Langdistanzen nicht so recht anzufreunden vermochte. Vor allem die erste war schlicht „schlimm“. Ich hatte so viele Routen quer durch dichtes Brombeergebüsch, was einfach keinen Spass machte. Dass ich ausgerechnet bei diesem Lauf „aufs Podest hüpfte“, machte das Ganze nicht besser. Da hätte ich genauso gut im „Bremer“ bei Bern laufen können, die Dornen wären dort vermutlich sogar etwas kleiner gewesen. Nun ja, wir haben es (fast – siehe oben) unbeschadet überlebt, was nicht alle von unserer Reisegruppe von sich behaupten können. Einer unserer Kollegen musste mit einem gebrochenen Arm die Heimreise antreten (gute Besserung Jürg).

 

Am Dienstag, nach dem vierten Lauf, fuhren wir dann nach São Pedro de Moel, also direkt an die West-Küste. Wir logierten etwas ausserhalb des Dorfes im „Agua de Madeiros“, einem sehr idyllischen kleinen und äusserst sympathischen Hotel. Hier genossen wir wirklich fast so etwas wie Ferientage. Zwei Mal nur trainierten wir OL. Nach einem Training fuhren wir nach Nazaré und schauten ewig den hohen Wellen zu. Dank des Windes war dies fantastisch und imposant. Natürlich mussten wir auch noch zum Leuchtturm gehen, wo wir uns quasi mitten im Wellengetöse befanden.

 

Die letzten drei Tage verbrachten wir wieder im Landesinnern, genauer gesagt in Alter do Chão. Auf dem Weg dorthin besuchten wir Fatima und danach in Tomar den „Convento de Cristo“. In Fatima regnete es leider heftig, so dass wir nur ganz kurz über den Platz huschten und uns so rasch als möglich wieder ins Auto verkrochen. Ich kann mir aber vorstellen, dass es im Sommer richtig toll dort aussieht. Sehr gut gefiel es uns dafür im „Convento de Cristo“, der ehemaligen Wehr-Klosteranlage von einstigenTempelrittern. Stefan und ich stiegen unzählige Treppen hoch und wieder hinunter, landeten auf Dächern und in versteckten Kammern und fanden schlussendlich nur dank den Ausgangsschildern wieder ins Freie zurück. Ich stellte mir vor, wie es wohl sein würde, in diesen riesigen Gemäuern einen Indoor-OL zu veranstalten. Das Gebäude ist dermassen verwinkelt und verschachtelt, dass nur schon die Herstellung einer vernünftigen Karte eine riesige Herausforderung wäre.

 

In Alter do Chão logierten wir die letzten Nächte in einem ehemaligen Convento, demjenigen von Tomar nicht unähnlich. Zum Glück war es aber erst frisch renoviert worden, so dass wir uns über mangelnden Komfort nicht beklagen konnten. Wäre das Wetter nur etwas besser gewesen, hätte ich spätestens dort meinen eingepackten Bikini einweihen können. Da hätten mich nicht einmal meine zerkratzten Beine an einem Bad im Swimming-Pool gehindert. So aber beliessen wir es mit sehnsüchtigen Blicken auf die blauen „Tümpel“ unter uns.

Von Alter do Chão aus ging es dann noch einmal für zwei Tage an Wettkämpfe. Die beiden Mitteldistanz-Läufe fanden in einem steinigen, dafür fast dornenfreien Gelände statt. Ausser, dass ich einmal die Karte nach Süden ausrichtete, gelangen mir zwei gute Läufe, so dass ich wieder aufs Podest hätte steigen können, wenn wir nicht so schnell abgefahren wären. Da wir am Sonntag jedoch wieder zurück in die Schweiz mussten, fuhren wir nach meinem Lauf direkt nach Lissabon, gaben Auto und Gepäck ab und warteten auf unseren Flug.

Mit uns zusammen flog wieder die halbe OL-Schweiz zurück, und diesmal denke ich, dass es wohl speziell gerochen hat, so nach regennassen, leicht verschwitzten Kleidern – oder so. Auf jeden Fall waren wir spät in Zürich und noch später daheim, und nach knapp fünf Stunden Schlaf zog es uns wieder hinaus – nicht ganz in die weite Welt, aber immerhin in die Untiefen unserer Büro-Pendenzen.

In knapp einem Monat geht es aber wieder auf Reisen, dann ist Slowenien dran.