Der Fluch des Fjälls – oder: schlimmer geht immer

Seit zwei Tagen sind wir nun voll im Wettkampffieber und rennen – man kennt das ja mittlerweile von uns – wie wild in den Wäldern herum. Wobei „wild“ und „rennen“ nicht immer genau das ausdrücken, was wir dann wirklich machen.

Gestern noch stimmten die Bezeichnungen. Wir hatten als erste Etappe eine Langdistanz und genossen diese von A-Z. Der Wald war genauso, wie wir ihn uns in Skandinavien wünschen: Bäume, die genug weit auseinander stehen, Sümpfe, um sich aufzufangen und klar erkennbare Reliefs. Mit einem Wort, das Gelände war pfeilschnell. Da ich konditionell nicht ganz dort bin, wo Siegläuferinnen sein sollten, hatte ich trotzdem einen rechten Rückstand, war aber gleichwohl zufrieden. Läufe ohne jeglichen Fehler haben bei mir Seltenheitswert. Meistens erwischt es mich bei einem Posten. Diesmal jedoch kamen alle Posten genauso, wie ich es wollte. Das war toll.

Nach dem OL besuchte ich noch kurz eine Rentierherde, plauderte ein wenig mit den Tieren und fand, dass sie nebst Elchen eigentlich auch ganz muntere Zeitgenossen sind.

Zusammen mit Stefan machte ich dann auch noch einen kurzen Spaziergang um einen See herum, das war dann aber alles an Tätigkeiten. Die Beine waren müde.

 

Zum Glück wartete daheim in der Hütte eine weitere Biographie von Astrid Lindgren, mit welcher ich mich für den Rest des Tages beschäftigte.

Heute war ganz in der Nähe des „Nippgubben“ (das ist das putzige Männchen auf den Fotos vom ersten Bericht) eine Mitteldistanz. Da ich genau in diesem Gebiet vor zwei Jahren völlig frustriert aufgegeben hatte, weil ich die Posten nicht fand (da war es mehr als nur ein Fehler), war ich gewarnt und leicht nervös. Wie würde ich diesmal mit dem Wald zurecht kommen? Nun, ein paar Stunden später weiss ich es: überhaupt nicht. Ich suchte von Beginn weg, ich verzweifelte, schimpfte und war mir sicher, dass ein grosser Fjäll-Fluch auf mir lastete. Nicht einmal mit dem Kompass wandernd wollten sich die Posten zeigen. Es war zum Verzweifeln. Dennoch kämpfte ich mich irgendwie durch die Bahn durch und jubilierte während des steilen Zieleinlaufs innerlich, dass ich diesmal wenigstens alle Posten hatte. Klar, ich war ultra lang unterwegs, aber immerhin klassiert.

Als ich dann meine Zeit ausgelesen hatte, traute ich meinen Augen nicht: Posten 8 fehlte auf der Quittung. Einer der einfachsten Posten. Zuerst überlegte ich, wo ich denn falsch gewesen sein könnte, denn ich war dort bei einem Posten und stempelte ihn. Aber ich konnte nicht falsch sein, dies zeigt auch die GPS-Auswertung. Offenbar zog ich meinen Badge zu schnell aus der Posteneinheit, so dass die Zeit nicht quittiert wurde. Der Fluch geht also in die nächste Runde. Aber ich gebe nicht auf. Irgendwann werde ich noch ein drittes Mal in diesem unübersichtlichen, steinigen, unlesbaren Gelände laufen, und dann werde ich klassiert!

Übrigens wurde Stefan auch recht heftig vom Fluch des Fjälls eingeholt. Vor zwei Jahren war er noch als strahlender Sieger von dieser Etappe zurückgekehrt, nun suchte er fast noch verzweifelter als ich nach den rot-weissen Laternen. Auch er wanderte mit dem Kompass und drehte trotzdem seine Runden.

Und ganz zum Schluss noch das: Stefan und ich feiern heute ein erstes kleines Jubiläum: Am fünften Abend hier in Schweden gibt es zum fünften Mal Lachs. Das muss gefeiert werden….