„Game of Thrones“

Obwohl ich von dieser sagenhaften Serie absolut nichts weiss und noch nie etwas davon gesehen habe, muss der Titel für meinen heutigen Titel herhalten. Denn Stefan und ich bestiegen in der Tat einen Thron, allerdings hat dieser wohl weder mit der Serie noch mit einem Königsthron zu tun. Er ist schlicht und einfach ein Berg. Doch alles der Reihe nach.

Am Mittwoch war nämlich noch einmal ein Wandertag angesagt. Und erst noch einer der schöneren Sorte. Schon am Abend vorher hatten Stefan und ich die Tour geplant: sie sollte uns auf den „Rødalshøa“, einen 1436 Meter hohen Rundberg führen. Rund fünf Stunden Marschzeit rechneten wir ein, und fast auf die Minute genau nach dieser Zeit waren wir tatsächlich zurück. Auf der Runde bewältigten wir 800 Steigungsmeter, dies bei einer Distanz von rund 16 Kilometern. Den ersten Teil legten wir praktisch ohne Weg zurück. Es ging von Anfang an steil hinauf, der mit Rentierflechten bedeckte Boden erwies sich als weich und federnd, unsere Beine waren gefordert.

Als es nach einer Weile nicht mehr so steil war, wurde auch der Untergrund fester. Wir überquerten nach einer Hochebene einen Sattel zwischen den Höhen „Fjellenghøa“ und „Håmårhøa“. Hier blies bereits ein kräftiger Wind, welcher bis zum „Gipfel“ noch etwas an Stärke zunahm. Aber die Aussicht war schon von hier aus fantastisch, ich glaube, ich wiederhole mich mit dieser Bezeichnung in jedem Bericht. Diese unendliche Weite, das sieht man wohl nicht überall auf der Welt.

 

An der Flanke des „Midthøa“ entlang ging es dann den letzten, wirklich steilen Anstieg hinauf zu unserem Gipfelziel.

Wir waren erstaunt, dass wir oben nicht ganz die Einzigen waren, denn bisher begegneten wir auf unseren Wanderungen keiner Menschenseele. Mutter und Tochter mit ihren Hunden waren auf ihrer Morgenwanderung. Nach ein paar netten Worten machten sich die zwei Frauen auf den Weiterweg und auch wir begannen bald wieder den Abstieg.

Das Wetter lud nicht zum längeren Verweilen ein. Der Wind oben blies heftig, dazu kamen vereinzelte Regentropfen, ganz nass wurde es bei uns jedoch nie. Rund um uns herum zogen jedoch Wolken vorbei, ab und zu konnten wir erkennen, dass es etwas weiter weg regnete. Sonne hatten wir aber auch hin und wieder.

Nun hatten wir zwar einen Wanderweg, kamen aber dennoch nicht so schnell voran. Der Weg schlängelte sich nämlich durch das Gestein, machte immer wieder grössere Bögen, so dass wir hinunter fast gleich lang hatten, wie hinauf. Dafür kamen wir an wunderschönen Seen vorbei. Und abgesehen davon hielten wir uns an das Motto: der Weg ist das Ziel.

Als wir unten beim Auto waren, beschlossen wir, noch „unseren“ Savalen-See zu umrunden, damit wir von etwas weiter sehen konnten, wo wir wandern waren. Das Wetter wurde zunehmend freundlicher, so dass wir vom See und dem dahinter liegenden Rødalshøa tolle Fotos schiessen konnten.

Am Donnerstag nahmen wir es dafür ein wenig ruhiger. Das heisst bei uns, dass wir vor allem ausschlafen und ausgiebig frühstücken. Mit dem Blick aus dem Fenster ist hier auch jedes Essen ein Genuss.

Kurz vor dem Mittag fuhren wir in die Bibliothek und somit zum Internet, um uns über das Weltgeschehen zu informieren. Die Welt dreht sich gottlob auch ohne Stefan und mich.

Danach machten wir uns auf den Weg zur „Thronbesteigung“. Ok, die Norweger schreiben ihren Tron ohne h. Und wie schon gesagt, es ist ein Berg. Und man konnte erst noch bis ganz hinauf fahren. Da der Tron über 1640 Meter hoch ist, gab es für unser armes Auto ganz schön zu tun. Zeitweise musste der erste Gang herhalten, um die Steigung zu bewältigen. Unterwegs hatten wir dafür schon wieder herrliche Ausblicke, vor allem auf grüne Buschlandschaften, welche uns im Winter als sehr geeignet fürs Schneeschuhlaufen dünkten. Keine Steigungen, mal ein Busch, dann wieder offen und so weiter.

Oben auf dem Tron hatte es sogar noch andere Touristen, einige davon wanderten tatsächlich die Steinwüste hoch. Anders kann ich diesen „Hoger“ gar nicht benennen. Steinwüste passt. Wohin wir auch schauten, Steine, Steine, Steine. Und hinten am Horizont die prächtigsten Berge, soweit das Auge reichte. Und es reichte weit, dank Sonne und viel blauem Himmel war die Sicht perfekt. Stefan und ich waren uns einig, dass sich die Fahrt und somit die Tron-Besteigung schon nur wegen der Rundum-Sicht gelohnt hatte. Und einmal ohne Muskelanstrengung einen Berg zu erreichen, war auch ein angenehmes Gefühl.

 

Damit sich die Muskeln doch nicht zu sehr vernachlässigt fühlten, machten wir nach unserer Rückkehr noch ein OL-Training ganz in der Nähe der Hütte. Wieder einmal durften wir in diesem fantastischen halboffenen Wald herumrennen und einfach nur geniessen. Auch wenn wir nicht mehr frisch waren, es war wirklich ein Genuss. Und als Höhepunkt dieses Genusses durfte ich mittendrin einen Elch beobachten. Da hüpfte das Herz und jauchzte die Seele. Und diesmal führte mich der Elch sogar fast bis zu meinem Posten. Ohne ihn wäre ich wohl zu hoch daran vorbei geschossen. Schwein, respektive eben Elch muss man haben. Wäre Stefan richtig zu diesem Posten gelaufen, wäre er vermutlich dem Elch genau entgegen gerannt. Aber wer vom rechten Weg abkommt…. verpasste für einmal dieses höchste der Hochgefühle. Macht nichts, wir haben ja noch so manche Gelegenheit.

Heute standen wir wieder einmal früh auf (06.00 Uhr) und gingen auf unsere letzte Wanderung hier in Savalen. Morgen heisst es ja schon wieder Abschied nehmen, denn wir wollen weiter nach Stryn. Auch diese Wanderung war Genuss pur, die Gegend fantastisch und die Aussicht gigantisch, aber wir merken, dass wir dringend einen Ruhetag brauchen. Zum Glück fahren wir morgen nach Stryn, so dass wir uns unmöglich zu Fuss kaputt spielen können.